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Die düstere Wahrheit von gestern bewegt die Jugend von heute
Liebenau (hej/r).
Die Reise ehemaliger Zwangsarbeiter zurück an die Stätte ihres Leidens in der
ehemaligen Pulverfabrik hat nicht Politiker und geschichtlich interessierte
Menschen, sondern auch - und das hat ältere Menschen überrascht - viele
Jugendliche bewegt. Eine zwölfköpfige Gruppe aus Oyle, Liebenau und Marklohe will
das Thema weiter verfolgen. Nachfolgend schildern sie die direkte Konfrontation mit
Nazi-Opfern aus ihrer Sicht.
Vorwiegend waren da die Fragen: Werden wir als Gruppe von den Zeitzeugen angenommen? Wie könen wir ihnen beweisen, dass wir uns nicht mit den damaligen Deutschen identifizieren? Wie viel wissen wir wirklich über die Geschichte des Nationalsozialismus? Warum erfahren wir erst jetzt die Wahrheit über Liebenaus Geschichte? Wie verarbeiten wir selbst die Gespräche und Erfahrungen?
Die Zeitzeugen waren von Beginn an offen und herzlich, dass wir uns in der kurzen Zeit schon wie eine grosse Familie fühlten. Trotz der barbarischen Vergangenheit erzählten die ehemaligen Zwangsarbeiter immer wieder ganz offen über diese grausame Zeit. Durch die intensiven Gespräche, der Befahrungen des ehemaligen Pulverfabrikgeländes und die Besichtigungen anderer historischer Orte konnten wir uns etwas besser in die Zeit unter diesem unvorstellbaren Nazi-Regime hineinversetzen. Es war nicht immer einfach und viele Tränen sind geflossen, trotzdem gab es aber auch Momente, in denen wir zusammen gelacht haben.
Die Aussagen über ihre Vergangenheit in Deutschland (beispielsweise "Wäre ich noch zwei Wochen länger in Liebenau gewesen, wäre ich mit Sicherheit gestorben, wie die anderen") bedrückten uns sehr. Aber ebenso kamen uns allen die Freudentränen, als der selbe ehemalige Zwangsarbeiter erzählte, dass dieses Wochenende das schönste in seinem Leben war.
Um die ehrliche Herzlichkeit dieser Menschen zu erwidern und ihnen zu zeigen, dass das Zusammenleben der Menschen heute anders ist und sein kann, haben wir uns entschlossen, sie am letzten gemeinsamen Abend als Dankeschön zu uns ins Jugendhaus einzuladen. Dort wurden sie mit selbstgemachten kulinarischen Spezialitäten (kurdischer, russisch, deutsch,...) von uns überrascht. Die Besucher waren begeistert, und wir waren glücklich diesen Menschen etwas Gutes tun zukönnen.
Durch die Erfahrung, die wir in der Woche gesammelt haben, ist uns das Thema Nationalsozialismus durch die realen Menschen und noch bestehenden und weitgehend unveränderten Orte auf dem Gelände der Pulverfabrik sehr nahe gebracht worden. Wir können gar nicht mehr anders als uns mit der damaligen Zeit auseinanderzusetzen, anstatt sie zu leugnen oder uns nicht für sie zu interessieren. Wir haben jetzt schon so viele Eindrücke, Ideen und Motivationen, dass wir die nächsten sechs Jahre damit ausfüllen wollen."
Unterstützt wurden die Jugendlichen, die von Henning Andresen und Martin Guse für das Thema "Pulverfabrik" interessiert wurden, unter anderem von Irene Wilke und Daniela Andresen, die im Rahmen ihres Studiums an der Evangelischen Fachhochschule Hannover ein Praktikum bei Martin Guse absolvierten.
Die Gruppe ist inzwischen ein festes Team und will weiter an dem Thema arbeiten. Geplant sind unter anderem ein Film und eine szenische Lesung. Langfristig soll aus der AG eine eigenständige Jugendsparte innerhalb der "Dokumentationsstelle Pulverfabrik" werden.